„Leben spüren“

Kirsten Hinrichsen zitierte in unserer Reihe „Atempausen aus dem Norden“ des Gedicht „Leben spüren“ von Mark Nepo:

Leben spüren

Wir verschwenden soviel Energie damit,
zu verbergen, wer wir sind,
wenngleich doch hinter jedem Verhalten
der Wunsch steckt, geliebt zu werden,

hinter jeder Wut eine Wunde,
die geheilt werden will, und
hinter jeder Traurigkeit die Angst,
dass nicht genug Zeit bleibt.

Unsere tägliche Herausforderung
besteht nicht darin, uns anzukleiden,
um der Welt zu begegnen, sondern darin,
die Handschuhe abzustreifen,
sodass sich die Türklinke kalt anfühlt,
das Lenkrad feucht und
der Abschiedskuss sich
wie die Lippen eines anderen Wesens anfühlt,
weich und unwiederbringlich.

(Mark Nepo)

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