„Atmen, du unsichtbares Gedicht!“

Kirsten Hinrichsen zitierte in unserer Reihe „Atempausen aus dem Norden“ das Gedicht „Atmen, du unsichtbares Gedicht“ von Rainer Maria Rilke:

Atmen, du unsichtbares Gedicht!
Immerfort um das eigne
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.

Einzige Welle, deren
allmähliches Meer ich bin;
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, –
Raumgewinn.

Wieviele von diesen Stellen der Raume waren schon
innen in mir. Manche Winde
sind wie mein Sohn.

Erkennst du mich, Luft, du, voll noch einst meiniger Orte?
Du, einmal glatte Rinde,
Rundung und Blatt meiner Worte.  

Rainer Maria Rilke
Quelle: Die Sonette an Orpheus, Zweiter Teil

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